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Healthy Leadership: Wie Führungskräfte ihre eigene und die psychische Gesundheit ihres Teams stärken können

Dieser Beitrag ist auch in Englisch verfügbar.

Psychische Erkrankungen nehmen seit Jahren zu – mit spürbaren Folgen für Mitarbeitende, Unternehmen und Führungskräfte. Doch der Arbeitsplatz ist nicht nur Teil des Problems, sondern kann auch Teil der Lösung sein. Wer lernt, sich selbst gesund zu führen und Healthy Leadership aktiv zu leben, schafft die Grundlage für nachhaltige mentale Gesundheit im Arbeitsalltag.

Psychische Gesundheit: eine wachsende Herausforderung für Unternehmen

Psychische Erkrankungen gehören inzwischen zu den häufigsten gesundheitlichen Problemen unserer Zeit. Studien zeigen, dass ein erheblicher Teil der Bevölkerung im Laufe des Lebens mindestens einmal von Depressionen, Angststörungen oder substanzbedingten Störungen betroffen ist. Auch in der Schweiz erfüllen zwischen 20 und 40 Prozent¹ der Menschen irgendwann die Kriterien für eine depressive Episode, rund jede vierte Person erlebt eine Angststörung.

Diese Entwicklungen bleiben für Unternehmen nicht folgenlos. Psychisch bedingte Arbeitsausfälle sind langwierig: Betroffene fehlen im Durchschnitt über 200 Tage² am Arbeitsplatz. Allein im Kanton Zürich verursachen krankheitsbedingte Absenzen Kosten in Milliardenhöhe. Gleichzeitig zeigt sich, dass insbesondere jüngere Erwerbstätige zwischen 18 und 29 Jahren zunehmend unter psychischen Belastungen leiden.

Auch kleine und mittlere Unternehmen spüren diese Entwicklung deutlich. Aktuelle Erhebungen zeigen, dass fast zwei Drittel der KMU bereits mit psychisch bedingten Ausfällen konfrontiert waren. Der Anteil der Unternehmen, die stark betroffen sind, steigt kontinuierlich. Parallel dazu berichten mehr als 30 Prozent³ der Erwerbstätigen von emotionaler Erschöpfung – ein zentraler Risikofaktor für Burnout.

Diese Zahlen verdeutlichen: Psychische Gesundheit ist längst kein Randthema mehr, sondern eine zentrale Führungsaufgabe.

Der Arbeitsplatz als Risikofaktor – und als Chance

Wir verbringen im Durchschnitt rund ein Drittel⁴ unserer Lebenszeit bei der Arbeit. Entsprechend groß ist der Einfluss, den Arbeitsbedingungen auf unser Wohlbefinden haben. Hohe Arbeitsbelastung, fehlende Handlungsspielräume oder unklare Rollen können Stress verstärken und langfristig krank machen.

Gleichzeitig bietet Arbeit auch enormes Potenzial für Sinn, soziale Einbindung, Selbstwirksamkeit und persönliche Entwicklung. Entscheidend ist, wie gut die Passung zwischen Person und Tätigkeit gelingt – der sogenannte Job-Person Match⁵. Wird Arbeit so gestaltet, dass sie zu den eigenen Stärken, Interessen und Ressourcen passt, kann sie sogar vor Erschöpfung und Burnout schützen.

Hier kommen Führungskräfte ins Spiel. Denn sie haben massgeblichen Einfluss darauf, wie Arbeit organisiert wird – sowohl für sich selbst als auch für andere.

Gesunde Führung beginnt bei uns selbst: Self-Leadership

Gesunde Führung nach aussen setzt gesunde Selbstführung voraus. Oder anders formuliert: Wer dauerhaft leistungsfähig sein möchte, muss lernen, mit den eigenen Ressourcen bewusst umzugehen.

Selbstführung bedeutet, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen, Grenzen zu erkennen und aktiv Strategien zu entwickeln, um mit mentalen Anforderungen umzugehen. Es geht darum, die eigene Effektivität nicht über permanente Verausgabung, sondern über nachhaltiges Energiemanagement zu steuern.

Drei wirkungsvolle Ansätze dabei sind:

1. Stärkenbasiertes Job Crafting

Beim stärkenbasierten Job Crafting wird die eigene Arbeit aktiv so angepasst, dass sie besser zu den persönlichen Stärken und Interessen passt. Das kann bedeuten:

  • Aufgaben unterschiedlich intensiv zu bearbeiten,
  • die Art und Weise der Ausführung zu verändern,
  • gezielt Arbeitsbeziehungen zu gestalten oder
  • die eigene Rolle neu zu interpretieren.

Schon kleine Anpassungen können dazu beitragen, mehr Sinn, Motivation und Energie im Arbeitsalltag zu erleben.

2. Positive Ressourcen bewusst aktivieren

Eine einfache, aber wirkungsvolle Methode ist die sogenannte Drei-Worte-Induktion. Hierbei werden drei Schlüsselwörter identifiziert, die mit einer persönlich erlebten, positiven Situation verknüpft sind. Diese Wörter dienen später als mentaler Anker, um das damit verbundene Gefühl – etwa Sicherheit, Gelassenheit oder Mut – in herausfordernden Momenten gezielt wieder abrufen zu können.

3. Aktives Stressmanagement

Regelmässige Pausen, bewusste Erholung und der reflektierte Umgang mit Stressoren sind essenziell, um langfristig gesund zu bleiben. Dabei kann es hilfreich sein, belastende Stressphasen, vitalisierenden Stress und Erholungszeiten über einen typischen Arbeits- und freien Tag hinweg sichtbar zu machen und zu analysieren, wann besonders viel Belastung, Energie oder Erholung erlebt wird und wo Potenziale für ein effektiveres Zeitmanagement liegen.

Healthy Leadership: Die Gesundheit anderer stärken

Neben der Selbstführung spielt die Führung anderer eine entscheidende Rolle. Healthy Leadership bedeutet, Rahmenbedingungen zu schaffen, die Gesundheit fördern, und sensibel auf Anzeichen von Belastung zu reagieren.
Das von Stephan Böhm und Kolleg:innen entwickelte Konzept zu Healthy Leadership unterscheidet dabei 2 Ebenen: Prävention und Intervention.

Prävention: handeln, bevor Probleme entstehen

Führungskräfte können viel dazu beitragen, dass Mitarbeitende gar nicht erst in eine gesundheitliche Schieflage geraten. Dazu gehört zum Beispiel:

  • auf ein realistisches Arbeitspensum zu achten,
  • Aufgaben klar zu priorisieren,
  • offen mit eigenen Grenzen umzugehen.

Wenn Führungskräfte selbst zeigen, dass Belastung thematisiert werden darf, fällt es Mitarbeitenden leichter, ebenfalls über Herausforderungen zu sprechen.

Intervention: unterstützen, wenn Belastung sichtbar wird

Zeigen Mitarbeitende Anzeichen psychischer Belastung – etwa Konzentrationsschwierigkeiten, verändertes Sozialverhalten oder erhöhte Reizbarkeit – ist ein sensibles, aber aktives Handeln gefragt.

Wichtige Schritte sind:

  • deutlich zu kommunizieren, dass Gesundheit Priorität hat,
  • das Gespräch zu suchen und zuzuhören,
  • gemeinsam Lösungen zu erarbeiten, zum Beispiel durch Anpassungen von Arbeitszeit, Arbeitsvolumen oder Aufgaben.

Eine aktuelle Studie des CCDI-HSG⁶ zeigt, dass solche unterstützenden Führungsinterventionen nachweislich mit geringeren krankheitsbedingten Absenzen zusammenhängen.

Fazit: Healthy Leadership als strategischer Erfolgsfaktor

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz ist eine der grossen Herausforderungen unserer Zeit. Führungskräfte spielen dabei eine Schlüsselrolle – nicht nur durch ihr Verhalten gegenüber anderen, sondern auch im Umgang mit sich selbst.

Wer lernt, die eigenen Ressourcen zu stärken, Arbeit sinnvoll zu gestalten und aufmerksam auf die Bedürfnisse seines Teams einzugehen, schafft ein Arbeitsumfeld, das Gesundheit fördert statt gefährdet.

Healthy Leadership beginnt bei einer einfachen Erkenntnis: Gesunde Organisationen brauchen gesunde Führungskräfte.

Sie wollen mehr über Healthy Leadership und gesunde Selbstführung erfahren?
Healthy Leadership Workshop |  Job Crafting


Quellenverzeichnis

¹ Nationaler Gesundheitsbericht 2025 | Obsan. (o. D.). https://gesundheitsbericht2025.ch/

² Meyer, M. & Obrist, H. (2025, 3. Juni). Ausfall am Arbeitsplatz: So viel kosten psychische Erkrankungen die Zürcher Wirtschaft. Tages-Anzeiger. https://www.tagesanzeiger.ch/ausfall-am-arbeitsplatz-so-viel-kosten-psychische-erkrankungen-die-zuercher-wirtschaft-564814469845

³ AXA Studie: 64 Prozent aller KMU sind von psychisch bedingten Ausfällen betroffen. (o. D.). AXA Schweiz | KMU-Studie 2023: Psychisch Bedingte Ausfälle. https://axa.ch/de/ueber-axa/medien/medienmitteilungen/aktuelle-medienmitteilungen/2023/20231009-kmu-studie-absenzen-psychische-gesundheit.html

⁴ Arbeitsbehörde, E. (2024, 4. April). Die richtige Balance zwischen Arbeitszeit und persönlicher Zeit finden. EURES (EURopean Employment Services). https://eures.europa.eu/striking-right-balance-between-work-and-personal-time-2024-04-05_de

⁵ Leiter, M. P., & Maslach, C. (2004). Areas of worklife: A structure approach to organizational predictions of job burnout. In P. L. Perrewé & D. C. Ganster (Eds.), Emotional and physiological processes and positive intervention strategies: Research in occupational stress and well-being (Vol. 3, pp. 91–134). JAI Press.

⁶ Boehm, S. A., Khademi, M., & Baumgaertner, M. K. (2026). From relation to intervention: how supervisors’ health-focused intervention behavior relates to employees’ sickness absenteeism. European Journal of Work and Organizational Psychology, 1-22. https://doi.org/10.1080/1359432X.2025.2606717

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